„Ich fange morgen an“ ist wahrscheinlich einer der meistgesagten Sätze vor Klassenarbeiten und Klausuren. Fast jeder kennt das Gefühl, eine wichtige Aufgabe vor sich herzuschieben, obwohl man genau weiß, dass es besser wäre, jetzt anzufangen. In diesem Artikel erfährst du, warum das passiert, und was tatsächlich hilft, wenn du aus dem Aufschiebe-Kreislauf raus willst.

Was ist Aufschieberitis / Prokrastination?

Prokrastination bedeutet, eine geplante Aufgabe freiwillig aufzuschieben, obwohl man weiß, dass daraus negative Folgen entstehen können, zum Beispiel Zeitdruck kurz vor der Abgabe oder schlechteres Lernergebnis. Wichtig ist die Abgrenzung zum sogenannten strategischen Aufschieben: Wer eine Aufgabe bewusst später erledigt, weil es sinnvoll ist (z. B. weil noch wichtige Informationen fehlen), prokrastiniert nicht im eigentlichen Sinn. Prokrastination ist das Aufschieben trotz besseren Wissens, nicht aus strategischen Gründen.

Warum wir aufschieben

Der verbreitete Gedanke „ich bin einfach faul“ trifft es wissenschaftlich nicht. Die bislang umfassendste Untersuchung zum Thema stammt von Piers Steel (2007), der in einer Metaanalyse über 200 Studien zur Prokrastination auswertete. Sein zentrales Ergebnis: Prokrastination ist in erster Linie ein Versagen der Selbstregulation, nicht ein Charakterzug oder mangelnder Wille.

Konkret spielen laut Steel vor allem drei Faktoren zusammen:

  • Aufgaben-Aversion: Je unangenehmer eine Aufgabe empfunden wird, desto eher wird sie aufgeschoben.

  • Zeitliche Distanz: Je weiter eine Frist in der Zukunft liegt, desto unwahrscheinlicher wird sofort daran gearbeitet, selbst wenn man weiß, dass man es tun sollte.

  • Impulsivität: Wer schneller von kurzfristig angenehmeren Reizen (Handy, Serie) abgelenkt wird, prokrastiniert im Schnitt stärker.

Das ist eine gute Nachricht: Wenn Aufschieben ein Selbstregulations-Thema ist und keine feste Charaktereigenschaft, lässt es sich gezielt trainieren.

Den inneren Schweinehund überwinden

Ein paar grundsätzliche Denkweisen helfen dabei, den ersten Schritt leichter zu machen:

  • Nicht auf Motivation warten. Motivation kommt oft erst, nachdem man angefangen hat, nicht davor. Der erste Schritt ist meist der schwerste, danach wird es leichter.
  • Die Aufgabe kleiner machen, nicht die Deadline. Statt „Referat vorbereiten“ lieber „10 Minuten Gliederung skizzieren“, das senkt die gefühlte Hürde erheblich.
  • Ablenkungsquellen vorher wegräumen, statt während der Arbeit gegen sie anzukämpfen. Handy in einen anderen Raum legen ist wirksamer als „ich schau nur kurz nicht drauf“.

7 konkrete Sofort-Tipps gegen Aufschieben

  1. Die 2-Minuten-Regel: Wenn eine Teilaufgabe weniger als 2 Minuten dauert, sofort erledigen statt aufschreiben.
  2. Erst 5 Minuten, dann entscheiden. Setz dir das Ziel, nur 5 Minuten an der Aufgabe zu arbeiten. Oft bleibt man danach von selbst dran.
  3. Konkrete Wenn-Dann-Pläne machen. „Wenn ich nach der Schule zuhause bin, öffne ich zuerst die Matheaufgaben“ funktioniert besser als ein vages „ich lerne heute Nachmittag“.
  4. Die unangenehmste Aufgabe zuerst. Was du am meisten vor dir herschiebst, frisst am meisten mentale Energie, solange es unerledigt bleibt.
  5. Sichtbare Fortschritte schaffen. Eine abgehakte Liste motiviert mehr, als man denkt.
  6. Zeitfenster statt „irgendwann heute“. Eine feste Uhrzeit im Kopf zu haben, senkt die Wahrscheinlichkeit des Aufschiebens deutlich.
  7. Nicht mit anderen vergleichen. Prokrastination betrifft die meisten Menschen zumindest gelegentlich, das ist kein persönliches Versagen.

Lernstrategien-Coaching

Mit unseren Webinaren entdecken Schüler effektive Lernmethoden, verstehen, wie man richtig lernt, und gewinnen Sicherheit für Vokabeln, Tests, Klassenarbeiten und mehr.

Wenn es mehr als Aufschieben ist

Gelegentliches Aufschieben ist normal und keine Diagnose. Wenn Aufschieben aber über längere Zeit sehr belastend wird, mit starkem Leidensdruck einhergeht, oder wenn sich generell Startschwierigkeiten bei fast jeder Aufgabe zeigen, kann das auch mit anderen Themen zusammenhängen, zum Beispiel mit ADHS-typischen Startschwierigkeiten. In solchen Fällen kann der Artikel Aktivitätslähmung bei ADHS: Warum der Start oft so schwerfällt weiterhelfen, bei anhaltendem Leidensdruck ist außerdem eine Beratungsstelle oder ärztliche Anlaufstelle der richtige Ansprechpartner, nicht Nachhilfe.

Häufige Fragen

Nach aktuellem Forschungsstand vor allem ein Zusammenspiel aus Aufgaben-Aversion (die Aufgabe wird als unangenehm empfunden), zeitlicher Distanz zur Frist und Impulsivität, siehe Steel (2007).

Am wirksamsten sind kleine, konkrete erste Schritte statt großer Vorsätze, siehe die 7 Sofort-Tipps oben.

Nein, gelegentliches Aufschieben ist weit verbreitet und für sich genommen keine Krankheit. Bei sehr ausgeprägtem, belastendem Aufschiebeverhalten über längere Zeit lohnt sich aber ein Gespräch mit einer Fachstelle, um mögliche zugrunde liegende Ursachen abzuklären.

Umgangssprachlich „Aufschieber“ oder „Prokrastinierer“, der Fachbegriff aus der Psychologie lautet Prokrastination bzw. prokrastinierendes Verhalten.

Fazit

Aufschieben ist kein Charakterfehler, sondern in den meisten Fällen ein trainierbares Selbstregulations-Thema. Kleine, konkrete erste Schritte wirken zuverlässiger als der Vorsatz, „einfach mehr Disziplin“ zu haben. Wer merkt, dass reines Aufschieben eigentlich eher grundsätzliche Startschwierigkeiten sind, findet im Artikel Aktivitätslähmung bei ADHS weitere Einordnung.

Über die Autorin des Artikels:

Ich bin Emily, Gründerin von Noten-Booster. „Ich fange gleich an“ habe ich mir selbst früher öfter gesagt, als mir lieb war, meistens folgte darauf noch eine weitere Stunde alles andere als Lernen.

Mit einer Realschulempfehlung ging ich aufs Gymnasium. In der sechsten und siebten Klasse stand ich mehrfach kurz vor der Nichtversetzung, ich schob wichtige Aufgaben so lange vor mir her, bis der Druck größer war als die Angst vor der Aufgabe selbst, kein guter Zustand, um wirklich zu lernen.

Der Wendepunkt kam, als ich aufhörte, auf Motivation zu warten, und stattdessen einfach mit kleinen, konkreten ersten Schritten anfing. Fünf Minuten reichten oft, um aus dem Aufschieben herauszukommen. Aus solchen kleinen Veränderungen entstand mit der Zeit ein System, das mich bis zum 1er-Abitur trug.

Genau das gebe ich heute bei Noten-Booster weiter: zeigen, dass der erste kleine Schritt mehr bewirkt als der Vorsatz, ab morgen „einfach diszipliniert“ zu sein.

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und von unserem Team fachlich geprüft.