Die schriftlichen Abiturprüfungen sind vorbei, die Ergebnisse sind da und plötzlich steht fest: Es reicht noch nicht sicher für das Abitur. Genau in dieser Situation kann eine mündliche Nachprüfung, genauer gesagt eine zusätzliche mündliche Prüfung in einem schriftlichen Prüfungsfach, entscheidend werden.
Viele Schülerinnen und Schüler suchen in diesem Moment nach „mündliche Nachprüfung Abitur BW“, „Abi Nachprüfung“ oder „mündliche Prüfung, um das Abitur zu bestehen“. Gemeint ist meistens dieselbe Situation: Eine zusätzliche mündliche Prüfung soll helfen, die notwendigen Punkte für das Bestehen des Abiturs doch noch zu erreichen.
In diesem Beitrag erklären wir, was die mündliche Nachprüfung im Abitur in Baden-Württemberg bedeutet, wann sie relevant wird, wie du dich vorbereiten solltest und wie du deine Chancen realistisch einschätzt.
Was bedeutet „mündliche Nachprüfung“ im Abitur?
Der Begriff „mündliche Nachprüfung“ wird von vielen Schülerinnen und Schülern verwendet, wenn nach den schriftlichen Abiturprüfungen noch eine zusätzliche mündliche Prüfung notwendig wird. In Baden-Württemberg wird dabei meist von einer zusätzlichen mündlichen Prüfung in einem schriftlichen Prüfungsfach gesprochen.
Das bedeutet: Du hast in einem Fach bereits schriftlich Abitur geschrieben. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse kann sich zeigen, dass deine bisher erreichten Punkte nicht ausreichen oder sehr knapp sind. Dann kann eine zusätzliche mündliche Prüfung notwendig oder sinnvoll sein.
Diese Prüfung ist keine Wiederholung der schriftlichen Prüfung. Sie ist eine eigenständige mündliche Prüfungsleistung. Trotzdem geht es fachlich natürlich um Inhalte, Kompetenzen und Denkweisen aus dem jeweiligen Abiturfach.
Wann muss man eine mündliche Nachprüfung machen?
In Baden-Württemberg wird bei der sogenannten „mündlichen Nachprüfung“ im Abitur meist von einer zusätzlichen mündlichen Prüfung in einem schriftlichen Prüfungsfach gesprochen. Sie findet also nicht in irgendeinem neuen Fach statt, sondern in einem Fach, in dem bereits eine schriftliche Abiturprüfung geschrieben wurde.
Laut dem Leitfaden des Kultusministeriums Baden-Württemberg können zusätzliche mündliche Prüfungen in schriftlichen Prüfungsfächern entweder freiwillig gewählt oder vom Prüfungsvorsitzenden festgelegt werden. Das bedeutet: Eine zusätzliche mündliche Prüfung kann einerseits strategisch sinnvoll sein, zum Beispiel zur Verbesserung der Gesamtpunktzahl. Andererseits kann sie auch notwendig werden, wenn die bisherigen Ergebnisse nicht ausreichen oder bestimmte Bestehensvoraussetzungen gefährdet sind.
Relevant ist dabei vor allem die Gesamtqualifikation. Im sogenannten Block II, also bei den Leistungen aus der Abiturprüfung, müssen in Baden-Württemberg bestimmte Mindestanforderungen erreicht werden. Dazu gehört, dass in den fünf Prüfungsfächern zusammen mindestens 100 Punkte in vierfacher Wertung erreicht werden müssen. Außerdem müssen in drei der fünf Prüfungsfächer, darunter zwei Leistungsfächer, jeweils mindestens 20 Punkte in vierfacher Wertung erzielt werden.
Ob eine mündliche Nachprüfung für dich verpflichtend ist oder ob sie freiwillig gewählt werden kann, hängt deshalb immer von deiner individuellen Punktesituation ab. Die Schule teilt dir nach Bekanntgabe der schriftlichen Ergebnisse mit, ob und gegebenenfalls welche zusätzliche mündliche Prüfung festgelegt wurde. Laut Leitfaden erfahren Schülerinnen und Schüler am Tag der Zeugnisausgabe des vierten Halbjahres auch, ob das vorsitzende Mitglied des Prüfungsausschusses zusätzliche mündliche Prüfungen in schriftlichen Prüfungsfächern festgelegt hat.
Wichtig ist außerdem: Eine zusätzliche mündliche Prüfung sollte nicht mit der regulären mündlichen Abiturprüfung verwechselt werden. Die regulären mündlichen Prüfungen gehören ohnehin zur Abiturprüfung. Die zusätzliche mündliche Prüfung kommt erst dann ins Spiel, wenn ein schriftliches Prüfungsfach zusätzlich mündlich geprüft wird. Die mündlichen Prüfungen dauern in der Regel etwa 20 Minuten, davor gibt es etwa 20 Minuten Vorbereitungszeit.
Wie läuft eine mündliche Nachprüfung im Abitur ab?
Der genaue Ablauf kann je nach Fach und Schule unterschiedlich organisiert sein. Grundsätzlich solltest du aber damit rechnen, dass du eine Vorbereitungszeit bekommst und anschließend vor einem Prüfungsausschuss mündlich geprüft wirst.
In der Prüfung geht es nicht nur darum, Fakten auswendig wiederzugeben. Du musst zeigen, dass du Aufgaben verstehst, Zusammenhänge herstellen kannst und deine Gedanken klar formulierst.
Häufig besteht eine mündliche Prüfung aus mehreren Teilen:
Gerade dieser Gesprächsteil ist für viele Schülerinnen und Schüler ungewohnt. Anders als in einer Klausur kannst du nicht einfach still nachdenken und schreiben. Du musst laut denken, erklären, begründen und auf Nachfragen reagieren.
Genau deshalb braucht die mündliche Nachprüfung eine andere Vorbereitung als eine schriftliche Prüfung.
Warum die mündliche Nachprüfung eine besondere Herausforderung ist
Viele Schülerinnen und Schüler bereiten sich auf eine mündliche Nachprüfung zunächst wie auf eine Klausur vor: Sie lesen Zusammenfassungen, markieren Texte, rechnen alte Aufgaben oder wiederholen Lernzettel.
Das ist wichtig, aber nicht ausreichend.
In einer mündlichen Prüfung musst du dein Wissen aktiv abrufen und verständlich formulieren. Du brauchst nicht nur Fachwissen, sondern auch eine klare Struktur. Prüferinnen und Prüfer müssen erkennen können, dass du weißt, was du tust.
Besonders wichtig sind:
Viele Punkte gehen nicht verloren, weil man gar nichts weiß, sondern weil man unstrukturiert antwortet, zu früh aufgibt oder sein Wissen nicht verständlich zeigt.
Wie bereitet man sich auf die mündliche Nachprüfung vor?
Wenn dein Abitur auf dem Spiel steht, brauchst du eine gezielte Vorbereitung. Es reicht nicht, einfach alles noch einmal zu wiederholen. Du brauchst Prioritäten.
1. Kläre zuerst deine Ausgangslage
Bevor du lernst, solltest du wissen:
- In welchem Fach findet die Prüfung statt?
- Welche Punktzahl brauchst du ungefähr?
- Welche Themen sind prüfungsrelevant?
- Welche Schwächen haben sich in der schriftlichen Prüfung gezeigt?
- Welche Vorgaben macht deine Schule?
Sprich unbedingt mit deiner Fachlehrkraft. Frage konkret, welche Themen du wiederholen solltest und worauf es in der mündlichen Prüfung besonders ankommt.
2. Lerne nicht alles gleich intensiv
Wenn die Zeit knapp ist, brauchst du eine klare Lernstrategie. Teile die Themen in drei Kategorien ein:
- Themen, die sehr wahrscheinlich drankommen können.
- Themen, bei denen du große Lücken hast.
- Themen, mit denen du relativ sicher Punkte holen kannst.
Beginne nicht automatisch mit dem schwersten Thema. Oft ist es sinnvoller, zuerst die Grundlagen zu stabilisieren. In der mündlichen Prüfung können solide Grundkenntnisse sehr wertvoll sein, weil du darauf im Gespräch aufbauen kannst.
3. Übe lautes Erklären
Das ist der wichtigste Punkt. Eine mündliche Prüfung kann man nicht nur still vorbereiten.
Sprich Antworten laut aus. Erkläre Aufgaben einem Freund, einer Freundin, deinen Eltern oder dir selbst. Nimm dich zur Not mit dem Handy auf und höre dir an, ob deine Erklärung verständlich klingt.
Gute mündliche Antworten haben meistens eine klare Struktur:
- Zuerst nenne ich das Thema.
- Dann erkläre ich meinen Ansatz.
- Danach führe ich die wichtigsten Punkte aus.
- Am Ende ziehe ich ein kurzes Fazit.
Diese Struktur hilft dir, auch unter Stress nicht den Faden zu verlieren.
4. Trainiere typische Rückfragen
In der mündlichen Nachprüfung kommen oft Rückfragen. Das ist nicht automatisch ein schlechtes Zeichen. Rückfragen können dir helfen, deine Gedanken weiterzuführen oder unklare Punkte zu verbessern.
Typische Rückfragen sind:
- „Können Sie das genauer erklären?“
- „Warum gehen Sie so vor?“
- „Welche Alternative wäre denkbar?“
- „Wie hängt das mit dem anderen Thema zusammen?“
- „Können Sie ein Beispiel nennen?“
Übe genau solche Situationen. Wer Rückfragen kennt, reagiert in der Prüfung ruhiger.
Typische Fehler vor der mündlichen Nachprüfung
Viele Schülerinnen und Schüler machen kurz vor der Nachprüfung dieselben Fehler. Diese solltest du vermeiden.
| Nur lesen statt sprechen | Zu viele Themen ohne Plan wiederholen | Fachbegriffe vermeiden | Bei Unsicherheit abbrechen | Die Prüfung nicht simulieren |
|---|---|---|---|---|
| Lesen fühlt sich produktiv an, reicht aber nicht. Du musst mündlich erklären können, was du gelernt hast. | Wenn du alles gleichzeitig lernst, bleibt oft zu wenig hängen. Arbeite lieber mit einem klaren Themenplan. | Gerade in der mündlichen Prüfung zeigt Fachsprache, dass du dich sicher im Thema bewegst. Du musst nicht künstlich kompliziert sprechen, aber zentrale Fachbegriffe solltest du korrekt verwenden. | Viele Prüflinge hören mitten in der Antwort auf, weil sie unsicher werden. Besser ist es, laut weiterzudenken und deinen Ansatz zu erklären. Auch Teilleistungen können Punkte bringen. |
Eine mündliche Prüfung fühlt sich anders an als Lernen am Schreibtisch. Deshalb solltest du mindestens einmal eine echte Prüfungssituation üben. |
Mündliche Nachprüfung in Mathe
In Mathe ist die mündliche Nachprüfung für viele besonders stressig. Der Grund: Man muss nicht nur rechnen, sondern auch erklären, warum man etwas tut.
Wichtig ist deshalb, dass du Lösungswege laut begründen kannst. Es reicht nicht, ein Ergebnis zu nennen. Du solltest erklären können, welchen Ansatz du wählst, welche Formel oder Methode du verwendest und wie du Zwischenergebnisse interpretierst.
Typische Themen können zum Beispiel Analysis, analytische Geometrie oder Stochastik sein. Welche Inhalte für dich relevant sind, hängt aber von deinem Kurs und den Vorgaben deiner Schule ab.
Einen ausführlichen Beitrag zur Vorbereitung auf die mündliche Nachprüfung in Mathe findest du hier:
Mündliche Nachprüfung in Deutsch
In Deutsch geht es in der mündlichen Nachprüfung häufig darum, Texte zu verstehen, Aussagen zu deuten und sprachlich sauber zu argumentieren.
Wichtig ist, dass du deine Gedanken klar strukturierst. Du solltest nicht einfach alles sagen, was dir einfällt, sondern deine Antwort logisch aufbauen.
Hilfreich ist zum Beispiel diese Struktur:
- kurze Einordnung des Textes oder Themas
- zentrale Aussage benennen
- wichtige sprachliche oder inhaltliche Aspekte erklären
- Deutung begründen
- kurzes Fazit formulieren
Auch in Deutsch gilt: Fachbegriffe helfen, aber sie müssen sinnvoll eingesetzt werden. Begriffe wie „Erzählperspektive“, „rhetorische Mittel“, „Argumentationsstruktur“, „Motiv“ oder „Deutungshypothese“ sollten nicht nur genannt, sondern richtig angewendet werden.
Wie viele Punkte braucht man in der mündlichen Nachprüfung?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wie viele Punkte du brauchst, hängt von deiner bisherigen Gesamtpunktzahl, deinen schriftlichen Prüfungsergebnissen und den Bestehensregeln ab.
Deshalb ist es wichtig, dass du deine Situation nicht nur grob einschätzt. Lass dir von deiner Schule genau erklären, welche Punktzahl du in der mündlichen Prüfung ungefähr erreichen musst.
Danach kannst du realistischer planen. Wenn du zum Beispiel nur wenige Punkte brauchst, ist eine sichere Grundstrategie oft sinnvoller als der Versuch, alle Spezialthemen perfekt zu lernen. Wenn du viele Punkte brauchst, musst du gezielter an Leistungstiefe, Fachsprache und Prüfungssicherheit arbeiten.
Kann man sich in kurzer Zeit noch verbessern?
Ja, aber du brauchst eine klare Vorbereitung.
In wenigen Tagen wird man nicht jedes Thema perfekt beherrschen. Aber man kann sehr wohl lernen, besser zu strukturieren, typische Aufgabenformate zu erkennen, Fachbegriffe sicherer zu verwenden und mündlich überzeugender zu antworten.
Gerade in mündlichen Prüfungen kann eine gute Vorbereitung schnell sichtbar werden. Wer ruhig bleibt, geordnet antwortet und auch bei Rückfragen weiterdenkt, wirkt deutlich sicherer.
Das Ziel ist nicht, alles auswendig zu können. Das Ziel ist, in der Prüfung möglichst viele Punkte aus dem Wissen herauszuholen, das du hast und die wichtigsten Lücken gezielt zu schließen.
Fazit: Die mündliche Nachprüfung ist Drucksituation und Chance zugleich
Wenn du eine mündliche Nachprüfung machen musst, weil dein Abitur sonst gefährdet ist, ist das natürlich eine belastende Situation. Trotzdem solltest du sie nicht nur als Problem sehen.
Du bekommst noch einmal die Möglichkeit, Punkte zu holen. Entscheidend ist, dass du jetzt nicht planlos lernst, sondern gezielt vorgehst.
Kläre zuerst deine Ausgangslage. Wiederhole die wichtigsten Themen. Übe lautes Erklären. Trainiere Rückfragen. Und hole dir Unterstützung, wenn du merkst, dass du allein nicht strukturiert genug vorankommst.
Die mündliche Nachprüfung kann über das Bestehen des Abiturs entscheiden. Deshalb lohnt sich eine Vorbereitung, die genau auf diese Prüfungssituation ausgerichtet ist.


